Mit dem MTB unterwegs auf dem Jakobsweg II

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Nachdem ich im Juli 2016 mit dem Mountainbike auf dem Jakobsweg von zu Hause bis Metz in Nordfrankreich als Radpilger unterwegs war, startete ich dieses Jahr in Metz um durch Frankreich bis in die Pyrenäen zu fahren.

Die Tour durch Frankreich ist über 1.300 Kilometer lang und eigentlich in 2 Jahren gut zu durchfahren. Allerdings sind dann auch zweimal Anreise und Abreise zu organisieren, was in Frankreich mit dem Rad nicht ganz unproblematisch ist, da Fernzüge nur ganz begrenzt oder gar keine Räder mitnehmen. Also entschloss ich mich die Strecke in einem Rutsch in Angriff zu nehmen. Nachdem ich mich mit entsprechender Literatur (Wanderführer, Reiseführer, etc.) eingedeckt hatte wurden der Herbst und der Winter dazu genutzt um die Strecken zu planen und die Sprache in Grundzügen zu lernen.

Da ich mich am Originalverlauf des Wegs orientierte hatte ich auch dieses Mal geplant den Weg mit meinem Mountainbike zu machen. Diesmal allerdings mit einem Fully (vollgefedertes MTB), da ich etwas mit Rückenproblemen zu kämpfen habe.

Am 11.07.2017 war es dann endlich soweit, ich fuhr um kurz vor 6 Uhr morgens zum Bahnhof nach Ibbenbüren um zu meiner Bahnreise nach Metz aufzubrechen. Dort kam ich am späten Nachmittag an und checkte in meinem Hotel ein.  Am nächsten Morgen standen gleich über 80 Kilometer mit über 1.000 Höhenmeter an. Noch kurz zur Nummerierung der Etappen: Da die erste Etappe dieses Jahr seit zu Hause der neunte Abschnitt insgesamt war den ich fuhr beginne ich nicht bei Etappe 1, sondern bei Etappe 9 zu zählen.

 

Etappe 9 Metz- Toul

Am Morgen des 12. Juli ging es dann um halb 9 los. Es war noch trocken, sah aber nach ordentlich Regen aus. Der Off- Road- Anteil lag heute bei gut 75%, was an sich kein Problem ist, da es aber zwei Stunden nach meinem Start angefangen hatte zu regnen war es sehr rutschig. Und da ich mit Gepäckträger und Satteltaschen fuhr, was den Schwerpunkt des Rades veränderte musste ich doch sehr vorsichtig fahren. Es ging immer parallel zur Mosel und ab und zu auch an ihr entlang. Bei Dieulouard verließ ich das Moseltal um bei Liverdun wieder auf den Fluss zu treffen. Das war eine schöne, alte Stadt an einer Moselschleife gelegen in die ich durch ein altes Tor fuhr. Leider war das Wetter so schlecht und die Nebenwege die ich fuhr waren mit dem tonhaltigen Lehm komplett aufgeweicht. Obwohl meine Reifen grobstollig waren, setzte sich das Profil komplett zu. So ging es recht mühsam weiter nach Toul, wo ich das Bike noch eben an einer Tankstelle abspülte bevor es zum Quartier ging.

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Bild 1: So sah das mit dem Schlamm aus

Etappendaten:

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
85,74 km 1.184 m 12,1 km/h 7:11:22 H

 

Etappe 10 Toul- Joinville

Der zweite Tag verhieß schon mal besseres Wetter. Es sollte nicht regnen und ich begann erstmal bei Sonnenschein loszufahren. Die Strecke ging mit mal mehr oder weniger steilen Anstiegen, bzw. Abfahrten angenehm durch die wunderschöne, weitläufige Landschaft Lothringens, einen der am schwächsten besiedelten Teile Frankreichs. Was es hieß, wenn irgendwo 10 Menschen pro Quadratkilometer wohnen bekam ich anschaulich vorgeführt. Weder im Wald noch auf schwach befahren Straßen traf ich stundenlang einen Menschen. Und auch die kleinen Dörfer die ich durchfuhr lagen oft mehr als 10 Kilometer auseinander. Kein Wunder, dass Frankreichs Regierung hier ein Atomendlager plant. Hier gab es gar keine Menschen die dagegen protestieren könnten. Soundso ist diese Gegend nicht nur schwach besiedelt sondern auch nicht sehr wohlhabend. So standen in den Dörfern viele Häuser zum Verkauf oder verfielen. Sportlich war die Tour heute nicht so anstrengend wie gestern.

Die Steigungen waren angenehmer zu fahren, es war nicht besonders rutschig und ging auch zu 40 % über Asphalt, was das Weiterkommen doch erleichterte. So betrug meine Nettofahrzeit unter 6 Stunden und ich konnte relativ früh mein Quartier in Joinville beziehen.

Etappendaten:

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
80,40 km 1.051 m 13,60 km/h 5:53:27 H

 

 Etappe 11 Joinville- Essoyes

Heute ging es von Joinville in die Champagne. Hörte sich erstmal gut an aber nicht überall in der Champagne darf gleichnamiger Prickelsaft hergestellt werde, folglich ging es erst einmal weiter durch die schwach besiedelte Gegend von gestern. Und Weinanbau gab es hier auch noch nicht sondern ich fuhr weiter an unendlich langen Getreidefeldern vorbei.

Die Anstiege waren heute lang und steil, das war mit dem Gepäck dann doch eine ganz schöne Anforderung. Das Bike hat voll beladen (ca. 23 Kilo) immerhin E- Bike Gewicht. Und ich merkte so allmählich, dass da doch der ein oder andere Trainingskilometer fehlte. Auch stiegen die Temperaturen langsam gegen 30° Celsius, was bergan die Sache auch nicht leichter machte.

Von Clairveaux quälte ich mich dann auf einer unendlich geraden Steigung bei 30° Celsius aus dem Tal. Auf den letzten Kilometern ging es nur noch durch die Weinberge und es ergab sich ein schöner Ausblick nach dem nächsten.  Allerdings waren die Wege recht ruppig zu fahren und ich war richtig froh ein vollgefedertes MTB (Fully) dabei zu haben. Auf einer unwahrscheinlich schnellen Abfahrt erreichte ich schließlich mit Essoyes meinen heutigen Zielort.

 

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Bild 2: Fahrt durch die Weinberge

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
75,40 km 1.073 m 12,60 km/h 5:59:30 H

 

Etappe 12 Essoyes- Chablis

Dieser Tag führte mich aus der Champagne in das nächste berühmte Weinbaugebiet Frankreichs, das Chablis. Meine körperliche Erschöpfung von gestern Abend war zum Glück einer relativen Frische gewichen.

Auch heute sollte es wieder über 30° Celsius werden. So wie es durch Weinberge in den Ort ging, ging es auch durch Weinberge wieder heraus.

Aus dem Seinetal heraus fuhr ich dann kilometerweit durch Sonnenblumenfelder, das sah richtig gut aus mit dem blauen Himmel als Kontrast. Bevor ich die Champagne verlies kam ich durch Les Riceys, nochmal in so eine „Champagnerhauptstadt“. Eine Kellerei reihte sich an die nächste. Hier gab es die Prickelbrause auch zu fairen Tarifen. Leider konnte ich auf dem Bike nichts mitnehmen.

Nach einem irre steilen Anstieg von bis zu 20 % auf 500 Meter Länge stand erstmal eine ausgiebige Pause an. Hinter Tonerre musste ich nochmal einen steilen Berg hoch und dann rechts abbiegen, sagte die Ausschilderung. Mein Navi sagte aber linksabbiegen.

Angesichts dessen, dass ich fast 70 Kilometer gefahren war entscheid ich mich dem Navi zu folgen. Keine Experimente. Und das war ein Fehler. Ich fuhr einen kaum zu erkennenden Weg durch den Wald und nach 5 Kilometern war die Frage ob ich hier wohl richtig war beantwortet: Ich stand ich vor einem 1,5 Meter hohen Zaun. Was tun. Ich entschloss mich abzusatteln und als erstes das Fahrrad rüber zu heben. Wenn das ginge käme das Gepäck. Ansonsten hätte ich das Gepäck zweimal rüber  heben müssen. Aber es klappte alles. Bis 3 Kilometer weiter der nächste Zaun wartete. Also dasselbe nochmal. Klappte auch, zum Glück. So kam ich dann ganz gut in Chablis an.

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Bild 3: Kleine Pause im Schatten

Etappendaten:

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
80,92 km 1.244 m 12,80 km/h 5:12:11 H


Etappe 13 Chablis- Vézelay

Der fünfte Tag führte mich von Chablis nach Vézelay, das ist auf dem historischen Jakobsweg ein alter Pilgertreff- und -sammelpunkt. Die Hitze sollte bleiben. Neben Auxerre hielt diese Etappe weitere Schönheiten bereit. Von Auxerre aus ging es an der Yonne und dem Canal du Nivernais entlang Richtung Vézelay. Endlich mal 25 Kilometer ohne Steigung. Dachte ich, doch 10 Kilometer hinter Auxerre war der Weg am Kanal gesperrt und ich bekam ein paar Bonushöhenmeter bei der Umfahrung  auf den Ticker. Eigentlich egal, aber bei 34° Celsius nicht mehr so ganz egal. Wieder am Canal ging es flott, da flach, weiter.

Auf meiner weiteren Fahrt kam ich durch das Tal des Flusses Cure, dem schönsten Flusstal der ganzen Tour. Bei Arcy- sur- Cure gab es viele Höhlen die in der Steinzeit bewohnt waren.

Nachdem ich das Tal der Cure verlassen hatte, fuhr ich auf mein heutiges Ziel Vézelay zu. Schon von weitem konnte ich die riesige Kirche Saint- Marie- Madeleine sehen. Doch bevor ich vor dieser Kirche, ungefähr so groß wie der Osnabrücker Dom, stand galt es noch einen Schlussanstieg von 150 Höhenmeter auf den letzten 2 Kilometern zu bewältigen. Ich wurde von den Ausflüglern angefeuert wie die Fahrer bei der Tour de France, das war schon toll.

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Bild 4: Bergankunft in Vézelay

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
82,76 km 1.093 m 13,50 km/h 5:58:43 H


Etappe 14 Vézelay- Prémery

Mit dem Beginn der Etappe 14 ging ich auf die Via Lemovicensis. Dieser Weg steht mit den drei anderen historischen Jakobswegen auf der Welterbeliste der UNESCO, ist also ein befahrbares Denkmal.

Es ging direkt los mit einem steilen und verblockten Singletrail. Insgesamt ging es über sehr viele verblockte Wege heute. Und gegen 11 Uhr waren auch die 30° Celsius überschritten. Mit 6 Litern Wasser hatte ich davon heute auf jeden Fall genug dabei. Dachte ich jedenfalls.

Allerdings wurde das Rad auch über 25 Kilo schwer, was das hochfahren aber auch das runterfahren zur anspruchsvollen Herausforderung, auch auf Asphalt, machte. Heute lagen auch einige schöne Chateaus auf meinem Weg. Gegen Mittag wurde es dann recht heiß, es ging auf die 40 ° Celsius zu.

Und das bei einem ähnlichen Profil wie bei Alb Extrem mit  vielen anstrengenden Anstiegen hintereinander und ohne lange Abfahrten zum Erholen. Das zerrte ganz schön an der Kondition. Insgesamt hatte ich am Ende der Tour unfassbare 9 Liter Wasser getrunken.

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
70,41 km 1.081 m 13,60 km/h 5:10:55 H

 

Etappe 15 Prémery- Valigny

Morgens merkte ich, dass die Muskeln gestern bei der Hitze doch sehr gelitten hatten. Zum Glück war die Hitzewelle erstmal durch. Die fehlenden Trainingskilometer schlugen nun voll durch. Ich musste etwas ändern, sonst wäre diese Tour spätestens in zwei Tagen zu Ende gewesen. Also beschloss ich heute keine Off- Road Anteile zu fahren, sondern stattdessen die im Wanderführer empfohlenen Umfahrungen für Radfahrer zu nehmen. Mit über 90 Kilometern wäre das heute sonst nicht gut gegangen. Ich war nach 30 Kilometern in Nevers an der Loire. Ich hatte mir natürlich eine Stadtrundfahrt auf dem Navi mit eingeplant und kann nur sagen, dass sich das richtig gelohnt hat. Über die Loire machte ich mich dann auf Richtung Etappenziel. Und ich sah, dass die Leute von Nevers auch so einen schönen Beachbereich haben wie wir am Aasee. Nach etwa fünfeinhalb Stunden Fahrzeit war ich dann am Ziel. Mein Ziel mit der Intensität heute im Kompensationsbereich zu bleiben hatte ich aufgrund des einfachen Streckenprofils auch erreicht, so dass ich für die nächste Megaetappe am nächsten Tag wieder in Form war.

Etappendaten


Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
91,09 km 637 m 16,90 km/h 5:22:45 H

 

Etappe 16 Valigny- Neuvy- Saint- Sélpulchre

Ich fuhr am heutigen Tag eine echte Ügerführungsetappe. Lang und nicht zu anspruchsvollund nach mehreren Tagen Richtung Süden diesmal Richtung Westen. Zum Glück hatte es merklich abgekühlt und ich hatte mit maximal 24° Celsius ideale Bedingungen zum Fahrrad fahren.

Allerdings wartete schon bald die erste Enttäuschung auf mich. Ich versuchte mehrmals wieder die Off- Road Anteile zu fahren, allerdings waren die so von den Landmaschinen zerfahren, dass ich mich wie auf einer Buckelpiste fühlte. Das ging einfach nicht. Daher beschloss ich zuerst einmal auf der Straße zu bleiben und nur noch sicher fahrbare Wege querfeldein zu nehmen. So wie den am Canal du Berry entlang. Da der Asphaltanteil heute generell hoch gewesen wäre kam ich recht zügig voran und  war trotzdem häufig auf dem Originalweg.

Sportlich, landschaftlich und auch von den Sehenswürdigkeiten her war diese Etappe eher unspektakulär und so erreichte ich ziemlich früh mein Ziel in dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen.  Dort warteten zwei Überraschungen auf mich.  Die erste Überraschung war die schöne Kirche, die auch auf der Welterbeliste der UNESCO steht und die zweite Überraschung war, dass mein Quartier (Bild)  über einem Geschäft lag und keinen sicheren Fahrradstellplatz hatte. Und nun merkte ich doch, dass ich mit meinen Französischkenntnissen an Grenzen stieß. Zum Glück konnte mein Vermieter so schlecht Englich wie ich Französisch, so dass wir in einem Kauderwelsch aus beidem uns darauf verständigten das Bike bei ihm privat unter zu stellen. Also holte mich Madame Vermieter ab und ich stellte das Rad ortsfern bei ihm unter. Läuft halt nicht immer alles nach Plan.

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Bild 5: Canal du Berry

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
107,20  km 799 m 16,10 km/h 6:39:43 H

 

Etappe 17 Neuvy- Saint- Sélpulchre- Chamborand

Nachdem der gestrige Tag eine doch eher langweilige Veranstaltung war konnte ich auf diesem Teilabschnitt doch wieder etwas mehr Abwechslung erwarten. Und es ging schon 8 Kilometer hinter Neuvy- Saint- Sélpulchre mit der spektakulären Burgruine von Cluis an einem ebenso spektakulären Anstieg los. Da war ich sofort auf Betriebstemperatur. Hinter Cluis traf ich dann ein Paar das zu Fuß pilgerte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie nicht nur Deutsche kamen, sondern mit Rheda- Wiedenbrück auch noch aus meinem näheren Umfeld stammten.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten kam ich durch das Tal der Creuse, ebenfalls landschaftlich toll wie auch der oberhalb des Stausees gelegene Ort Crozant. Danach ging es erstmal auf eine 3 Kilometer lange Abfahrt hinunter und danach am Fluss Sédelle entlang bis der Weg langsam aus dem Tal stieg. Die Strecke heute hatte zwar wieder mehr Höhenmeter als gestern, ließ sich aber gut fahren.

Es ging weiter über La Souterraine, einer schönen Kleinstadt, Richtung Quartier. Ich kam durch Chamborand und mein Navi zeigte an, dass ich rechts abbiegen  soll. Ich hatte meine Quartiere zwar vorgebucht und auch in meine  Strecken eingeplant, aber seit dem Erlebnis vor Chablis mit den Zäunen blieb da doch eine Restunsicherheit. Trotzdem musste ich mich auf das Navi verlassen und kam in einen  Ort mit 5 Häusern. Mein Navi sagte zu mir: „ Herzlichen Glückwunsch, Ziel erreicht du hast das Training gewonnen.“ Nur wo war mein Quartier? Da machte eine Frau das Fenster auf und fragte mich ob ich Monsieur Mahnke sei. Das war dann meine Vermieterin

Und dann kam der nächste Schock. Ich musste das Quartier bar bezahlen, hatte aber nicht mehr genug Bargeld bei mir. Nun war die Geldautomatendichte in Frankreich nicht ganz so hoch wie bei uns, genauer gesagt gab es den nächsten Automaten 7,5 Kilometer weiter. Da blieb mir dann wohl nichts anderes übrig als ein paar Bonusmeilen zu sammeln, natürlich inklusive Bonushöhenmeter. Die stehen in den Etappendaten in Zeile 2.

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
74,36 km 1.100 m 13,2 km/h 5:38:28 H
14,61  km 176 m 14,60 km/h 1:00:01 H

 

Etappe 18 Chamborand- Limoges

Da ich den Weg nach Bénevént- l´Abbaye ja schon von meiner Geldautomatentour gestern Abend kannte, fuhr ich erstmalig nicht direkt in unbekanntes Gebiet. Kurz hinter Bénevént- l´Abbaye wartete der erste kleine Pass auf mich, der gut 180 Höhenmeter überwand. Dafür gab es dann auch eine tolle Abfahrt von 9 Kilometer Länge ins Tal des Taurion.

Von da an stieg ich dann wieder aus dem Flusstal auf und kam nach Saint- Léonard- de Noblat. Die Kirche des heiligen Leonard steht ebenfalls auf der Welterbeliste. In der schönen Altstadt gab es dann erstmal ein alkoholfreies Bier bevor es über eine 900 Jahre alte Brücke über die Vienne weiter ging in Richtung Limoges, natürlich mit einem schönen langen Anstieg aus dem Viennetal heraus. Der Weg führte heute mit dem Fahrrad fast nur über Asphalt, da der Originalweg für Wanderer aufgrund schlechter Wege oder von Steigungen mit über 20% selbst für geübte Mountainbiker nicht fahrbar war. Limoges war ein schöner Aufenthalt in einer lebhaften Großstadt mit schöner Altstadt.

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Bild 6: Kathedrale von Lomoges

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
75,97  km 1156 m 14,10 km/h 5:23:35 H

 

Etappe 19 Limoges- Negrondes

Am nächsten Tag ging es recht oft über geschotterte Feldwege die sich trotz der Steigungen gut fahren ließen.

Auf dem weiteren Weg kam ich dann über die Route „Coeur de Lion“ nach Châlus. Auf der gleichnahmigen Burg fand der englische König Richard Löwenherz seinen Tod durch einen Armbrustpfeil. Heute stehen nur noch Fragmente der Burg.

Ich kam trotz der Höhenmeter relativ gut vorwärts und ich erreichte mein Ziel über den sehenswerten Ort Thievers am späten Nachmittag. Mein Bike musste mal wieder draussen untergestellt werden, aber inzwischen war ich sicher, dass auf den Dörfern in Frankreich ebenso oft oder selten gestohlen wird wie in deutschen Dörfern.

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Bild 7: Abfahrt hinter Thievers

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
88,02 km 1.335 m 12,90 km/h 6:49:05 H

 

Etappe 20 Negrondes- Jaumarie

Auf dieser Etappe lag der Off- Road Anteil bei 70%, was nicht unbedingt für eine schnelle Tour sprach. Außerdem hatte ich für heute eine Stadtbesichtigung in Perigeux im Navi geplant. Und die Besichtigung hat sich gelohnt. Die Altstadt hat schöne Häuser und Parks. Und die Kathedrale Saint- Front ist eine der schönsten Kirchen die ich bisher gesehen habe.

Hinter Perigeux besuchte ich noch eine alte Abtei aus dem 12. Jahrhundert, danach ging es steil aus dem Tal heraus.

Die weitere Strecke hielt dann doch den ein oder anderen im zweistelligen Prozentbereich liegenden Anstieg bereit, was doch sehr auf die Kondition ging. Ich war ja seit Metz ungefähr 1.000 Kilometer geradelt.

Auch waren die Abfahrten vom Untergrund her sehr ruppig und ich hatte trotz „defensiver“ Herangehensweise an diese Abfahrten einige Durchschläger im Fahrwerk. Die Folgen davon sollten mich dann die nächsten zwei Tage beschäftigen. Mit meinem inzwischen obligatorischen langen Schlussanstieg im zweistelligen Prozentbereich erreichte ich schließlich mein Ziel, das Dorf Jaumarie. Praktischer Weise lag mein Quartier direkt am Jakobsweg.

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
70,19 km 1.117 m 11,70 km/h 5:59:56 H

 

Etappe 21 Jaumarie- Saint-Sévé

In der Nacht hat es sintflutartig geregnet. Ein kurzer Begutachtungsgang vorm Frühstück zeigt mir, dass der ganze Weg komplett vermatscht war. Im Gespräch mit meiner Vermieterinkam ich dann dahinter, dass dieses Unwetter wohl im ganzen Südwesten runter gekommen war. Also war heute Asphalt fahren angesagt. Schade, aber erstmal so zu akzeptieren. Kurz nachdem ich in Jaumarie abfuhr setzte nochmal für 2 Stunden starker Regen ein.

Und dann knarzte noch mein Rad verdächtig. Hatte es bis hierhin tadelos durchgehalten, schien jetzt etwas gravierendes nicht zu stimmen. Nach einigem Suchen bemerkte ich dann eine Acht im Hinterad. Ich hatte mir gestern auf dem teilweise verblockten Abfahrten eine Speiche gebrochen. Jetzt hieß es eine Wekstatt zu suchen. Doch das war in einer dünn besiedelten Gegend gar nicht so einfach. Auf den 85 Kilometer bis zu meinem Quartier fand ich jedenfalls keine.

Abends kam ich dann mit meinem Vermieter ins Gespräch. Ich fragte ihn nach einer Werkstatt und er sagte, er kenne sogar zwei und würde mich morgen früh mitsamt Rad und Gepäck dort hinbringen. Da war ich dann doch erstmal erleichtert, denn ich habe ja täglich 10 Kilogramm zusätzlich auf dem Hinterrad. Und auch wenn ich die Dämpfung voll öffnen würde, dass Hinterrad hätte die 250 Kilometer, die mir bis zum Ziel fehlten, nicht mehr durchhalten.

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
84,86 km 843 m 15,60 km/h 5:25:30 H

 

Etappe 22 Saint-Sévé- Gaillères

Morgens fuhr ich also mit meinem Vermieter, Monsieur Baugé, nach La Réole. An der ersten Werkstatt hatten sie allerdings nicht die richtigen Speichen und an der zweiten Werkstatt hatten sie überhaupt keine Speichen. Das Angebot von Monsieur Baugé noch mit mir nach Langon zu fahren musste ich aber dann aber ablehnen. Es war inzwischen 10 Uhr und ich musste noch zweiundneunzig Kilometer fahren. Also bedankte ich mich herzlich und wir verabschiedeten uns voneinander.

Über sehr schwach befahrenen Nebenstraßen kam ich nach Bazas. Dort fragte ich in der Touristeninfo nach einem Fahrradreparateur. Und es gab tatsächlich einen, allerdings erst zu 14: 30 Uhr, da er auf einem Außentermin war. Und es war erst zwölf Uhr. Was tun? Erstmal hinfahren. Da ich soundso eine Stunde Pause machen wollte ging es letzlich um eineinhalb Stunden länger warten. Ich musste um spätestens 19 Uhr im Quartier in Gaillères sein, da mein Gasthof heute eigentlich Ruhetag hatte und ich telefonisch diese Zeit vereinbart hatte. Ich hatte noch 66 Kilometer bei wenig Höhenmetern zu fahren. Das müsste also gehen. Also blieb ich in Bazas und wie durch ein Wunder kam der Inhaber schon zehn Minuten später an. Und noch eine gute Nachricht: Er hatte die richtige Speiche.

Deshalb wurde das Fahrrad auf der Straße aufgebockt, dass Hinterrad ausgebaut und um 13:30 Uhr war ich wieder auf der Tour. Ich fuhr noch 50 Kilometer auf einer alten Bahntrasse, teilweise durch tiefen Sand, aber relativ flott und ohne weitere Probleme zum Quartier und auch da gab es noch eine freudige Überraschung: Im Kühlschrank stand ein komplettes Menü.

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Bild 8: Bikereparatur

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
92,45  km 482 m 15,70 km/h 5:54:06 H

 

Etappe 23 Gaillères- Orthez

Recht unspektakulär verief die Tour von Gaillères nach Orthez. Ich konnte dank des reparierten Hinterrads seit gestern wieder den kompletten Originalweg fahren, also auch alle Querfeldeinpassagen, was den Spassfaktor natürlich weit nach oben trieb. Lanschaftlich fuhr ich heute durch die Gascogne, eine Hügellandschaft ohne allzu steile Berge. Abends hatte ich wieder ein Quartier mit „Familienanschluss“, was mich immer wieder freute, da es nicht so anonym ist wie im Hotel und ich mit den Gastgebern immer ins Gespräch kam.

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
83,34  km 834 m 14,00 km/h 5:57:09 H

 

Etappe 24 Orthez- Saint-Jean- Pied- de- Port

Heute stand meine letzte Etappe an, ich hatte jetzt 1250 Kilometer in den Beinen und es wurde mit 33° Celsius nochmal richtig warm. Nach dem Start konnte ich schon die Pyrenäen sehen. Zum Fuß des Gebirges ging es heute hin.

Der Off- Road Anteil lag heute nochmal über 70%, das machte viel Spaß, war aber auch nochmal körperlich sehr herausfordernd.

Nach der Ortschaft Xibaltare kam dann ein Anstieg von knapp 200 Höhenmeter auf 1,8 Kilometern Länge. Ich versuchte da hoch zu fahren, aber auf dem blanken Fels und dauerhaft zweistelligen Steigungsprozenten musste ich das Bike dann doch hoch schieben. Bei oben angesagten Temperaturen und ohne Schatten kostete das ganz schön Körner. Oben angekommen wurde ich natürlich mit einem tollen Ausblick belohnt. Die Abfahrt war dann sehr verblockt und technisch anspruchsvoll machte aber irre viel Spaß. Und immer mit den Pyrenäen im Hintergrund fuhr ich auf ein atemberaubendes Panorama zu.

Nach weiteren schönen Wegen und Singletrails durchfuhr ich schließlich das Jakobstor von Saint-Jean- Pied- de- Port. Ich war hier erstmal am Ziel. Von zu Hause aus, wo ich letztes Jahr gestartet war, betrug meine Fahrtrecke jetzt 1.950 Kilometer, davon war ich 1.330 Kilometer mit knapp 17.000 Höhenmetern dieses Jahr gefahren. Bis zu meinem Ziel Santiago de Compostela sind es noch rund 900 Kilometer die ich dann im nächsten Jahr in Angriff nehmen werde. Und von denen ich dann im nächsten Jahr an dieser Stelle berichten werde. Wenn dann alles passt.

Zwei Tage später machte ich mich über Bayonne, Paris und Metz mit dem Zug auf den Heimweg und kam dann am 31.07.2017 wieder zu Hause an.IMG_7929a

Bild 9: Am Jakobstor im Ziel

Etappendaten

Strecke Höhenmeter Schnitt Fahrzeit
72,37  km 1.420 m 11,60 km/h 6:15:23 H

 

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